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Pfarreiengemeinschaft St. Paulin

Erstkommunion 2021

St. Paulin
13. Juni & 20. Juni 2021


St. Ambrosius
26. Juni & 27. Juni 2021

 

„Philipp hat Glück“

Paul Maar erzählt von der Erstkommunion seines Vaters im Jahr 1920

Mein Vater stammte aus einer sehr armen Familie. Weil sein eigener Vater im Ersten Weltkrieg gefallen war, lebte seine Mutter, also meine Großmutter, von einer ganz kleinen Witwenrente. Und mit der musste sie ihre sechs Kinder allein durchbringen.Sie verdiente ein paar Pfennige hinzu, indem sie für die Leute Socken strickte und Schmierseife in einem Fass im Hof verkaufte. Und weil sie so gutmütig war, hat sie den Leuten immer viel zu viel gegeben. Auf diese Weise hat sie natürlich kaum etwas verdient. Als mein Vater, der der Zweitjüngste in der Familie war, dann zur Erstkommunion gehen sollte, stellte sich heraus: Es gab kein Geld, um die Kommunionkerze zu kaufen! Meine Großmutter sagte zu ihm: ‚Du musst die Kerze nehmen, die vorher schon deine Schwester Elly gehabt hat‘. Und Philipp antwortete: ‚Nein, nein, so eine halb abgebrannte Kerze, da blamiere ich mich ja. Die nehme ich nicht.‘ Aber seine Mutter sagte: ‚Es ist kein Geld da, ich kann dir nicht helfen. Dann verdienen wir eben das Geld‘, sagten die Geschwister, und sie haben alle zusammen geholfen! Vier Wochen lang haben sie den Hof der Brauerei gekehrt, beim Apotheker Kräuter sortiert, Wäsche ausgetragen und und und. Und so bekamen sie tatsächlich so viel Geld zusammen, dass es für eine schöne neue Kommunionkerze reichte! Das war nun etwas, was Philipp sich wirklich wünschen konnte. Wobei das Wichtige nicht die Kerze ist, sondern die Tatsache, dass alle Geschwister so zusammen gehalten haben, dass sie es geschafft haben, ihm diese Kerze zu kaufen. Um bei der Wahrheit zu bleiben: Morgens am ‚Weißen Sonntag‘ ist die schöne neue Erstkommunionkerze zerbrochen. Und das kam so: Weil Philipps Mutter ja kein Geld hatte, konnte sie ihm auch keine neuen schwarzen Schuhe kaufen. Deshalb gingen sie zum Schuster und ließen seine braunen Schuhe schwarz anstreichen. Und weil die Sohle durchgelaufen war, besohlte sie der Schuster mit Holz. Denn eine Ledersohle konnte sich meine Großmutter nicht leisten. Fertig waren die neuen Kommunionschuhe! Mit diesen ungewohnten ‚Holzschuhen‘, die Philipp zum ersten Mal am Kommuniontag trug, ist er dann die Treppe hinunter gefallen, hat die neue Kerze verloren, und sie ging entzwei. Meine Großmutter hat sie schließlich wieder geschient und ein weißes Band darum gewickelt. Auf diese Art und Weise hat man nicht gesehen, dass sie eigentlich zerbrochen war. So ist für Philipp doch noch der Wunsch nach einem schönen Erstkommuniongeschenk in Erfüllung gegangen – dank seiner Geschwister.

Paul Maar
Quelle: Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken/Diaspora-Kinderhilfe, entnommen bei www.pfarrbriefservice.de

Petrus & Paulus

Festmesse in St. Ambrosius Beginn 18:30 Uhr - Herzliche Einladung

 

 

 

 

Gegensätze aushalten

Petrus und Paulus werden häufig in einem Atemzug genannt. Seit jeher wird ihr Gedächtnis gemeinsam am 29. Juni gefeiert. Was verbindet zwei so unterschiedliche Männer der Kirche?

Gegensätze

Petrus und Paulus sind starke, zum Teil gegensätzliche Führungspersönlichkeiten. Beide sind Juden, doch während Petrus als einfacher Fischer im Kernland Israels lebt, stammt Paulus aus gebildeter Schicht in der jüdischen Diaspora, ist römischer Bürger und mit der griechischen Kultur vertraut. Im Unterschied zu Petrus bleibt er unverheiratet. Petrus gilt als der Erste der Apostel, Paulus ist gewissermassen der Letzte, der Fremde, da er erst in der nachösterlichen Zeit zum Kreis der Zwölf stösst.

Die unterschiedliche Herkunft der beiden prägt ihre jeweilige Sendung als Apostel. „Petrus hat als erster den Glauben an Christus bekannt und aus Israels heiligem Rest die erste Kirche gesammelt. Paulus empfing die Gnade tiefer Einsicht und die Berufung zum Lehrer der Heiden." (Präfation des Festtages).

Petrus und Paulus repräsentieren die Kirche der Anfänge, die um ihre Identität und Ausrichtung ringt, was nicht immer ohne Konflikte vonstatten geht (Galaterbrief 2,11), etwa in der Frage, ob nichtjüdische Christen („Heiden") sich dem jüdischen Gesetz zu unterziehen haben. Die beiden Apostel zeigen, dass die Kirche Unterschiede, ja Gegensätze aushält. Für die Einheit der Kirche war es jedoch wichtig, das Gemeinsame der beiden Exponenten hervorzuheben und sie am selben Tag zu feiern.

Gemeinsamkeiten

Petrus und Paulus sind unzimperliche, zielstrebige Männer. Petrus folgt Jesus ohne Umschweife und wird Anführer der Zwölf. Paulus seinerseits verteidigt leidenschaftlich den jüdischen Glauben, was ihn dazu veranlasst, die Christen zu verfolgen. Beide sind Eiferer für die Sache des Glaubens. Doch sie sind auch gefallene Männer. Sie erleben das Scheitern ihrer Vorstellungen und Absichten, was zu einem Bruch in ihrem Leben führt. Für Petrus ist es der dreimalige Verrat an Jesus nach dessen Gefangennahme (Matthäus 26,69-75 u.a.), für Paulus die Christusbegegnung in Damaskus, die ihn „vom hohen Ross" herunterholt (vgl. etwa Apostelgeschichte 22,6-11). Beide erkennen, dass sie auf die Zuwendung Gottes angewiesen sind. An die Stelle des zwanghaften Strebens nach Erfolg tritt die Freiheit der unverdienten Güte Gottes, anstelle des Herrschens das Dienen. Mit Blick auf diese Erfahrungen betet die Kirche im Gabengebet der Festtagsmesse: „Wenn wir auf unsere eigene Leistung schauen und den Mut verlieren, dann lass uns auf dein Erbarmen hoffen, das sich an den Aposteln machtvoll erwiesen hat." Für beide beginnt ein neues Leben auf dem Fundament der Gnade und Liebe Gottes, das sie auf ihre je eigene Art zu Säulen der Kirche werden lässt. „Auf verschiedene Weise dienten beide Apostel der einen Kirche, gemeinsam empfingen sie die Krone des Lebens" (Präfation). Ihr Weg des selbstlosen Dienens endet am selben Ort, in Rom.

Gemeinsames Gedächtnis

Um das Jahr 67 erleiden Petrus und Paulus unter Kaiser Nero in Rom den gewaltsamen Tod wegen ihres Glaubens. Petrus wird gekreuzigt, Paulus enthauptet. Obschon sie kaum am gleichen Tag gestorben sind, wird ihr Gedächtnis seit der Mitte des 3. Jahrhunderts am gleichen Tag, am 29. Juni, gefeiert. Im 4. Jahrhundert gab es in Rom an diesem Tag drei Messen: eine in St. Peter im Vatikan, eine in St. Paul vor den Mauern und eine in den Katakomben an der Via Appia, wo die beiden Apostel eine Zeit lang begraben waren und verehrt wurden. Später wurde das Gedächtnis des Apostels Paulus auf den folgenden Tag verlegt. Die Neuordnung des liturgischen Kalenders ist wieder zur gemeinsamen Feier am 29. Juni zurückgekehrt.

von Josef-Anton Willa auf: https://www.liturgie.ch